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Rathaus

 

Das Rathaus während des Weltkrieges

Mit dem Beginn des furchtbaren Weltkrieges fiel dem Ortsvorsteher eine gewaltige Menge an Arbeit zu. Schaut man auf die Kriegsjahre zurück, so muß man sich nur wundern, wie der Schultheiß, der doch auch keine junge Kraft mehr war, dies alles ohne Hilfskraft bewältigen konnte.

Schultheiß Georg Thierer hatte dafür zu sorgen, daß die vielerlei Vorschriften bekannt und ausgeführt wurden. Als die Vorschriften über die Zwangsmaßnahmen der Getreidebewirtschaftung, über Hausschlachtungen, Eierablieferungen und dergleichen erschienen, kam er in eine nicht beneidenswerte Lage. Er mußte auf der einen Seite sehen, daß seine Bürger für ihre schwere Arbeit genügend Lebensmittel behalten konnten – auf der anderen Seite aber sollte doch so viel als möglich für die Allgemeinheit von den Landwirten abgeliefert werden. Man muß hierin dem Ortsvorsteher gerecht werden: er hat da den „goldenen Mittelweg“ eingeschlagen, und das war gut so. Manchesmal hat er seine Schritte zum Oberamt und zum Kommunalverband gelenkt und hat für seine Bauern ein gutes Wort gesprochen – mit und ohne Erfolg. Den Bürgern hätte er oftmals mehr gegönnt an Frucht, Mehl, Eiern, Kartoffeln u. a.; aber da waren andere Personen da, die anders dachten.

Wie viele Personen kamen zu ihm wegen Urlaubsgesuchen, Reklamationen, Unterstützungsgesuchen usw.! Die Leute glaubten eben, wenn der „Schultes“ berichte, dann werden die gewünschten  Gesuche sofort Gehör finden und bewilligt. Die guten Leute bedachten aber nicht, daß ein Ortsvorsteher für das, was er ausfertigte und unterzeichnete, verantwortlich war.

Die Beurlaubungen, Reklamationen, waren ein seltsames Kapitel. Manche wohlhabende Bauern oder auch Bäuerinnen suchten den Zentrumsabgeordneten Herbster in Wiesensteig auf. Dieser Abgeordnete hatte allem Anschein nach in Stuttgart an maßgebender Stelle einen Mann an der Hand, der bei gewissen Stellen sein „Gewicht“ hatte. Der Herr Abgeordnete ließ sich für dieses freundschaftliche Entgegenkommen für die Bittsteller ein schönes Stück Geld schenken; er war, wie erzählt wurde, auch mit einem Stück Vieh, das er zu billigem Preis „erhielt“, zufrieden. Dieses Gebaren erregte bei den kleinen Leuten großes Ärgernis. Sie hatten nicht die nötigen „Moneten“, um ein solches Gesuch machen lassen zu können – manchen aufrechten, geraden Mann widerte sowas an – und so blieb eben der kleine Mann im Felde und kam nicht nach Hause.

Wurde für einen wohltätigen Zweck, fürs Rote Kreuz oder ähnliche Einrichtungen, eine Geldsammlung veranstaltet, so hat sich Schultheiß Thierer bereitwilligst zur Verfügung gestellt.
Als Anerkennung für seine vielfältige Tätigkeit während des Krieges wurde er mit dem „Charlottenkreuz“ (10. Oktober 1918) ausgezeichnet.

 

Die bürgerlichen Kollegien
… bestanden während des Krieges aus folgenden Männern:

  1. Gemeinderat (1914 – 1917)
    David Schleicher, Johannes Falch, Johannes Gebhardt, Johann Georg Schleicher (zugleich Gemeindepfleger), Postagent Johann Georg Mayer, Jakob Kühnle.
  2. Bürgerausschuß (1914 – 1918)
    Georg Eberhardt, Thomas Thierer, Martin Duckeck, Matthäus Miller, Michael Mayer, David Wachter.

Ende Dezember 1917 wurde die Neuwahl des Gemeinderats vorgenommen.
Aus der Wahl gingen hervor:
Johannes Falch, Johannes Gebhardt, Johann Georg Schleicher (zugleich Gemeindepfleger), Jakob Kühnle, Johann Georg Uhl, Georg Eberhardt.

Ende Dezember 1918 wurde auch der Bürgerausschuß neu gewählt.
Aus der Wahl gingen hervor:
Michael Mayer (Obmann), Thomas Thierer, Martin Duckeck, Matthäus Miller, David Wachter, Georg Kohn und Johann Georg Groß (Maurermeister).

Die auf Grund des neuen Gemeindewahlgesetzes am 25. Mai 1919 vorgenommene Gemeinderatswahl verlieh folgenden 8 Männern Sitz und Stimme auf dem Rathaus:

  1. Johannes Gebhardt, Landwirt, (Söldner)
  2. Johann Georg Schleicher, Landwirt und Gemeindepfleger
  3. Jakob Kühnle, Landwirt, (Söldner)
  4. Johann Georg Mayer, Postagent
  5. Johannes Falch, Landwirt, (Söldner)
  6. Johann Georg Groß, (Maurermeister)
  7. Christian Sailer, Schielesbauer
  8. Christian Pfaudler, Landwirt, (Söldner)
  9.  

Nach dem neuen Gemeindewahlgesetz wird ein Bürgerausschuß nicht mehr gewählt.